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Kapitalmarktkommentar von Frank Termathe

Die Gier nach Zinsen macht Menschen unvorsichtig. Seitdem die EZB 2009 die Zinsen auf Konten quasi abschaffte und anschließend sogar Strafzinsen einführte, sind gut verzinste, risikolose Geldanlagen ungefähr so selten geworden wie Einhörner. Doch fast immer, wenn Menschen mit einer Veränderung konfrontiert werden, insbesondere, wenn sie unangenehm ist, weigern sie sich, diese zu akzeptieren.

„Alternative Anlageformen wie die Nachranganleihe waren vor wenigen Jahren noch ein No-Go.“

Kapitalanleger, auch institutionelle, bilden da keine Ausnahme. Bei der verzweifelten Suche nach verzinslichen Anlagen investieren sie in alternative Anlageformen, die vor wenigen Jahren noch als „No-Go“ galten. Eine dieser alternativen Anlageformen ist die sogenannte Nachranganleihe, die einen regelrechten Boom erlebte. Der Name deutet schon an, dass mit diesen Anleihen etwas anders ist. Das Wichtigste für die Anleger, sie bieten einen höheren Zinssatz als normale Anleihen. Doch diesen Vorteil erhalten die Investoren nicht gratis, sie müssen dafür den sogenannten „Nachrang-Status“ ihrer Anleihen akzeptieren. Im Falle einer Insolvenz werden diese nachrangig, also nach allen anderen, bedient. Die Anleihebesitzer bekommen aus der Konkursmasse ihr Geld zwar noch vor den Aktionären des Unternehmens, aber nach den Gläubigern und Inhabern einer normalen Schuldverschreibung. Dann ist jedoch in den meisten Fällen schon lange nichts mehr da. Wegen dieser besonderen Stellung zwischen Aktien und normalen Anleihen wird diese Anlageform auch als „Hybridkapital“ bezeichnet. Der höhere Zinssatz wird also mit höherem Risiko bezahlt. In der Wahrnehmung der Investoren sind die Zinszahlungen sehr real, da sie jährlich auf dem Konto zu sehen sind. Das Risiko aber ist wenig sichtbar und wird als eher hypothetisch oder imaginär wahrgenommen. Obwohl der Tausch von Rendite in Risiko deutlicher nicht sein kann. Daher ist das Volumen dieser Anleihen insbesondere im Bankensektor in den letzten Jahren auch enorm gestiegen.

„Den Vorteil erhalten die Investoren nicht gratis, sie müssen den Nachrang-Status akzeptieren. Im Falle einer Insolvenz werden sie erst nach allen anderen bedient.“

Wie das Risiko konkret aussieht, konnten wir Anfang Juni bestens beobachten, als die spanische Banco Popular an die Santander Bank verkauft wurde. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass der Verkauf nicht freiwillig geschah, sondern von der EZB angeordnet wurde. Die EZB stellte fest, dass die spanische Bank die Mindestanforderungen der neuen europäischen Bankenverordnung nicht erfüllte und ordnete die Abwicklung an. Die Maßnahme kam für die Marktteilnehmer im wahrsten Sinne des Wortes „über Nacht“ und führte bei Aktionären und Anleihebesitzern der Banco Popular zu Verlusten von 3,4 Milliarden Euro. Die mit 11,5 Prozent hochverzinslichen Nachranganleihen der Banco Popular notierten wenige Wochen zuvor noch zum Nennwert von 100 Euro. Nach Bekanntgabe der Nachricht fiel der Kurs um 97 Prozent auf knappe 3 Euro, die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt. Dabei ist zu beachten, dass die Bank nicht im klassischen Sinne bankrott ist. Die Kunden der Banco Popular kommen weiterhin an ihre Einlagen und die Bank kann weiter Geschäfte machen. Nur die Aktionäre und Anleihebesitzer haben nichts mehr, die Bank gehört jetzt jemand anderem, der Santander Bank.

„Die Maßnahme kam über Nacht und führte zu Verlusten von 3,4 Milliarden Euro.“

Im täglichen Leben am Ende der Schlange zu stehen ist unangenehm, im Finanzsektor ist es mitunter sehr risikoreich. Eine alte Börsenweisheit fasst meine langen Erläuterungen in wenigen Worten zusammen: „There is no free lunch“.

„Das Risiko ist nicht nur zu hoch, es ist auch intransparent.“

Da wir dieser Form von Anleihen sehr skeptisch gegenüber stehen, befinden sich solche Hybridpapiere auch nicht in der ETFplus-Vermögensverwaltung. Das Risiko ist nicht nur zu hoch, es ist auch intransparent. „Es ist heute nahezu unmöglich die Risiken, die sich in einer Bankbilanz verbergen, einzuschätzen.“ Diese Worte stammen nicht von mir, sondern von einem vertrauten Bankenanalyst.