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Die Gier nach Zinsen – Gastkommentar

Die Gier nach Zinsen – Gastkommentar

Kapitalmarktkommentar von Frank Termathe

Die Gier nach Zinsen macht Menschen unvorsichtig. Seitdem die EZB 2009 die Zinsen auf Konten quasi abschaffte und anschließend sogar Strafzinsen einführte, sind gut verzinste, risikolose Geldanlagen ungefähr so selten geworden wie Einhörner. Doch fast immer, wenn Menschen mit einer Veränderung konfrontiert werden, insbesondere, wenn sie unangenehm ist, weigern sie sich, diese zu akzeptieren.

„Alternative Anlageformen wie die Nachranganleihe waren vor wenigen Jahren noch ein No-Go.“

Kapitalanleger, auch institutionelle, bilden da keine Ausnahme. Bei der verzweifelten Suche nach verzinslichen Anlagen investieren sie in alternative Anlageformen, die vor wenigen Jahren noch als „No-Go“ galten. Eine dieser alternativen Anlageformen ist die sogenannte Nachranganleihe, die einen regelrechten Boom erlebte. Der Name deutet schon an, dass mit diesen Anleihen etwas anders ist. Das Wichtigste für die Anleger, sie bieten einen höheren Zinssatz als normale Anleihen. Doch diesen Vorteil erhalten die Investoren nicht gratis, sie müssen dafür den sogenannten „Nachrang-Status“ ihrer Anleihen akzeptieren. Im Falle einer Insolvenz werden diese nachrangig, also nach allen anderen, bedient. Die Anleihebesitzer bekommen aus der Konkursmasse ihr Geld zwar noch vor den Aktionären des Unternehmens, aber nach den Gläubigern und Inhabern einer normalen Schuldverschreibung. Dann ist jedoch in den meisten Fällen schon lange nichts mehr da. Wegen dieser besonderen Stellung zwischen Aktien und normalen Anleihen wird diese Anlageform auch als „Hybridkapital“ bezeichnet. Der höhere Zinssatz wird also mit höherem Risiko bezahlt. In der Wahrnehmung der Investoren sind die Zinszahlungen sehr real, da sie jährlich auf dem Konto zu sehen sind. Das Risiko aber ist wenig sichtbar und wird als eher hypothetisch oder imaginär wahrgenommen. Obwohl der Tausch von Rendite in Risiko deutlicher nicht sein kann. Daher ist das Volumen dieser Anleihen insbesondere im Bankensektor in den letzten Jahren auch enorm gestiegen.

„Den Vorteil erhalten die Investoren nicht gratis, sie müssen den Nachrang-Status akzeptieren. Im Falle einer Insolvenz werden sie erst nach allen anderen bedient.“

Wie das Risiko konkret aussieht, konnten wir Anfang Juni bestens beobachten, als die spanische Banco Popular an die Santander Bank verkauft wurde. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass der Verkauf nicht freiwillig geschah, sondern von der EZB angeordnet wurde. Die EZB stellte fest, dass die spanische Bank die Mindestanforderungen der neuen europäischen Bankenverordnung nicht erfüllte und ordnete die Abwicklung an. Die Maßnahme kam für die Marktteilnehmer im wahrsten Sinne des Wortes „über Nacht“ und führte bei Aktionären und Anleihebesitzern der Banco Popular zu Verlusten von 3,4 Milliarden Euro. Die mit 11,5 Prozent hochverzinslichen Nachranganleihen der Banco Popular notierten wenige Wochen zuvor noch zum Nennwert von 100 Euro. Nach Bekanntgabe der Nachricht fiel der Kurs um 97 Prozent auf knappe 3 Euro, die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt. Dabei ist zu beachten, dass die Bank nicht im klassischen Sinne bankrott ist. Die Kunden der Banco Popular kommen weiterhin an ihre Einlagen und die Bank kann weiter Geschäfte machen. Nur die Aktionäre und Anleihebesitzer haben nichts mehr, die Bank gehört jetzt jemand anderem, der Santander Bank.

„Die Maßnahme kam über Nacht und führte zu Verlusten von 3,4 Milliarden Euro.“

Im täglichen Leben am Ende der Schlange zu stehen ist unangenehm, im Finanzsektor ist es mitunter sehr risikoreich. Eine alte Börsenweisheit fasst meine langen Erläuterungen in wenigen Worten zusammen: „There is no free lunch“.

„Das Risiko ist nicht nur zu hoch, es ist auch intransparent.“

Da wir dieser Form von Anleihen sehr skeptisch gegenüber stehen, befinden sich solche Hybridpapiere auch nicht in der ETFplus-Vermögensverwaltung. Das Risiko ist nicht nur zu hoch, es ist auch intransparent. „Es ist heute nahezu unmöglich die Risiken, die sich in einer Bankbilanz verbergen, einzuschätzen.“ Diese Worte stammen nicht von mir, sondern von einem vertrauten Bankenanalyst.

Der Weg zum Eigenheim

Der Weg zum Eigenheim

Die Quote der Eigenheimbesitzer in Deutschland ist im internationalen Vergleich recht überschaubar. Nur rund 43 % der Haushalte werden in den eigenen vier Wänden geführt. Doch Umfragen zeigen immer wieder: Mindestens vier von fünf Deutschen träumen vom Wohneigentum. Ursache für dieses Verhältnis ist wohl die emotionale Hürde, ein solch großes Projekt anzugehen. Doch FORMAXX Berater Sebastian Friedrich, der laut der Tageszeitung „Die Welt“ zu Deutschlands Top-Baufinanzierungsberatern gehört, weiß: „Für fast jeden Kunden gibt es einen Weg ins Eigenheim.“

Gerade bei jungen Kunden muss jedoch zunächst der Weg geebnet werden. Zwar ist theoretisch auch ohne viel Eigenkapital eine Finanzierung möglich, doch aufgrund der hohen Zinsaufschläge rät Friedrich davon meist ab. Der Berater aus Gießen warnt davor, sich verleiten zu lassen. „Die Rahmenbedingungen müssen passen. Nur weil gerade sehr viele Leute bauen oder kaufen, vielleicht auch im persönlichen Umfeld, heißt das nicht, dass es auch bei jedem geht.“

Früh mit der Planung beginnen

Wie all seine anderen FORMAXX Kollegen auch, berät Sebastian Friedrich seine Kunden schon Jahre vor dem Kauf oder Bau. Daher können neben dem klassischen Bausparvertrag auch andere Wege zur Finanzierung sehr früh ausgelotet werden. Jede Kundensituation sei individuell, so Friedrich. „Oft ergeben sich durch vorhandene Finanzprodukte oder familiäre Situationen auch andere Möglichkeiten.“ Durch die Nähe zu seinen Kunden kann der Berater die Weichen oft so stellen, dass es bereits ein paar Jahre früher ins Eigenheim geht.

Bei der Ermittlung des finanziellen Rahmens spielen laut Friedrich viele Faktoren eine Rolle: „Sei es das Einkommen, die bisherige Mietbelastung oder das Eigenkapital. Jeden Fall muss man individuell betrachten.“ Unter Berücksichtigung von voraussichtlichem Zins und Tilgung kann so schon früh ein mögliches Budget festgelegt werden. Auf welche Weise er die Finanzierung dann später für seine Kunden realisiert, da will Friedrich nicht pauschalisieren. „Es gibt nicht die eine Lösung. Jeder Kunde hat dabei seine eigenen Wünsche und man muss schauen, welche Bank, Bausparkasse oder Versicherung die besten Bausteine anbietet.“

Das richtige Objekt – Nicht vom günstigen Geld verführen lassen

Sobald der Kunde ein angemessenes Eigenkapital zusammengebracht hat, kann er sich auf die Suche nach dem richtigen Objekt machen. Wer sich nicht ganz allein der Flut der Online-Angebote stellen will, dem helfen spezialisierte FORMAXX Berater weiter. Auch Sebastian Friedrich verlässt sich gerne auf die Expertise der Immobilien-Spezialisten aus dem eigenen Haus. Diese können beurteilen, ob ein Baupartner verlässlich oder ein Kaufobjekt überteuert ist. Denn in der aktuellen Niedrigzinsphase sind die Preise dermaßen stark gestiegen, dass sie den eigentlichen Objektwert immer häufiger übersteigen. Da sich Finanzexperten einig sind, dass die Zinsen durchaus noch einige Zeit niedrig sein werden und auf keinen Fall sprunghaft steigen, sollte sich niemand von dem günstigen Geld verführen lassen. Friedrich rät dazu, gegebenenfalls auf die nächste Gelegenheit zu warten, statt jetzt überteuert zu kaufen.

Der letzte Schritt zum Traum-Eigenheim

Hat der Kunde das richtige Objekt gefunden, geht es für alle Beteiligten in die endgültige Phase – das Festzurren der Finanzierung. Das Finanzierungskonzept wird noch einmal mit den Daten des konkreten Bauvorhabens bzw. des Kaufobjekts aktualisiert, Fördermöglichkeiten geprüft und entsprechende Finanzierungspartner kontaktiert. „Ich empfehle meinen Kunden immer, sich nicht nur von der Hausbank das erstbeste Angebot einzuholen, sondern wirklich zu vergleichen.“ Der Vergleich lässt sich dabei nicht immer auf nackte Zahlen reduzieren. „Oft ist das Konzept das entscheidende und nicht allein der Zinssatz.“ Auch wehrt sich Friedrich gegen eine pauschal empfohlene, möglichst lange Zinsbindung: „Wenn der Kunde aufgrund seines Einkommens oder seiner Ersparnisse schon nach kurzer Dauer einen Großteil tilgen kann, ist auch eine kurze Zinsbindung eine interessante Option.“

Sind diese Details geklärt, bereitet Friedrich zusammen mit dem Kunden den Antrag an die Bank bzw. den Finanzierungspartner vor. Gerade beim Kauf einer bestehenden Immobilie ist es wichtig, die richtigen Unterlagen vollständig einzureichen, damit der Kunde zügig eine Finanzierungsbestätigung erhält. Denn ohne diese wird kaum ein Verkäufer eine verbindliche Zusage treffen.

Sind sich Käufer und Verkäufer einig, folgen noch einige Unterschriftentermine bei Finanzierungspartnern und Notar. Käufer bereits fertig renovierter Immobilien haben an diesem Punkt bereits alles hinter sich – für Bauherren beginnt hier allerdings das nächste Abenteuer.

Tipps vom Finanzberater

  • Denken Sie beim Abstecken Ihres möglichen Budgets an die Nebenkosten für Notar, Ämter, Steuer und Makler. Je nach Bundesland können hier bis zu 15 % des Kaufpreises noch einmal hinzukommen.
  • Machen Sie sich mit üblichen Sanierungs-/Modernisierungskosten vertraut, um bei der Besichtigung von Immobilien den zusätzlichen finanziellen Aufwand besser einschätzen zu können: Hilfreich dafür: https://www.ratgeber-verbraucherzentrale.de/kauf-eines-gebrauchten-hauses
  • Verlassen Sie sich nicht auf das erstbeste Angebot Ihrer Hausbank. Ziehen Sie eine dritte Partei hinzu. Lassen Sie sich verschiedene Konzepte aufzeigen. Berater Friedrich empfiehlt: „Eine Finanzierung ist immer etwas Individuelles und nur der Zinssatz ist manchmal nicht entscheidend. Das Konzept muss passen und da ist eine persönliche Beratung wichtig.“
  • Kalkulieren Sie die Tilgungsrate realistisch. Berücksichtigen Sie alle sonstigen Ausgaben, lassen Sie finanziellen Spielraum für Unvorhersehbares. Suchen Sie sich einen Partner, der dies berücksichtigt bzw. der ohnehin schon die Finanzen der Familie kennt. Auch die Finanzierungsgeber müssen dank Verbraucherschutz-Bemühungen inzwischen strengere Regeln befolgen, damit sich Kunden nicht finanziell übernehmen.
  • Sichern Sie sich das günstige Zinsniveau möglichst längerfristig, wenn Sie hohe Summen über einen langen Zeitraum finanzieren. Beachten Sie aber, dass sehr lange Zinsbindungen auch immer einen zum Teil erheblichen Aufschlag kosten.
  • Denken Sie an unvorhersehbare persönliche Ereignisse. „Unsere Defino-Beratung sorgt für gute Absicherung im Fall einer Krankheit oder Berufsunfähigkeit, wie auch im Falle eines Todes“, beruhigt Sebastian Friedrich. Aber ein kleines Finanzpolster sollte bei jedem Eigenheim-Besitzer vorhanden sein.
  • Planen Sie nicht nur für sich persönlich, sondern auch für Ihr Eigenheim eine Vorsorge ein. In Friedrichs Kollegenkreis spricht man auch von der „Krankenversicherung fürs Haus“. Dies kann durch einen Bausparvertrag erfolgen, der in Anspruch genommen wird, wenn später zum Beispiel die Heizungsanlage schlapp macht.
  • Lassen Sie sich nicht drängen. Wenn es eine Partei zu eilig hat, gibt es vielleicht einen Haken, den Sie übersehen sollen. Sebastian Friedrich ist sich sicher, „wir werden kurzfristig keine großen Zinssprünge sehen“, daher kann man sich aktuell auch noch etwas Zeit lassen und eine neue Gelegenheit abpassen.
  • Auch wenn im finanziellen Bereich alles geregelt ist: Sowohl bei Bau als auch bei Kauf empfiehlt es sich immer, einen Bau-Sachverständigen einzuschalten. Dieser sollte vor der Unterschrift die Bestandsimmobilie begutachten bzw. die Abnahme von Bauabschnitten begleiten.

 

Warum zum Finanzberater?

Wie eingangs erwähnt, ist der Hausbau oder -kauf tatsächlich ein großes Projekt. Doch mit einem Partner an der Hand, der alle Schritte begleitet, wird es überschaubar. Zudem kennen FORMAXX Berater die Finanzen ihrer Kunden und wissen, welcher finanzielle Spielraum vorhanden ist. Anders als bei Banken oder Versicherungen sind FORMAXX Berater Ansprechpartner für alle Angelegenheiten und sie stehen auch nach Abschluss der Finanzierung zur Verfügung. Sie behalten langfristig alle wichtigen Termine im Auge, wie etwa das Auslaufen einer Zinsbindung und zeigen Ihnen rechtzeitig Ihre Optionen auf. Durch die ganzheitliche und unabhängige Beratung behalten FORMAXX Kunden auch bei einer Umschuldung zu einer anderen Bank ihren gewohnten Ansprechpartner.

Nachhaltige Fonds – Ethik und Rendite verbinden

Nachhaltige Fonds – Ethik und Rendite verbinden

Nachhaltige Fonds-Anlagen haben im vergangenen Jahr in Deutschland einen neuen Höchststand erreicht: Ihr Volumen stieg in 2016 auf 43,8 Milliarden Euro. In 2015 waren es dagegen nur 37,6 Milliarden Euro, so die Ergebnisse von ECOreporter.

Nachhaltige Fonds investieren das Geld der Anleger nach unterschiedlichen ethischen, ökologischen und sozialen Kriterien. Es handelt sich um Aktien-, Renten-, Misch- und Dachfonds, Mikrofinanzfonds und ETFs. Nachhaltige Aktienfonds bilden dabei mehr als die Hälfte dieses Marktes.

Zustande kommt das Rekordhoch durch eine gute Entwicklung der Aktienkurse in 2016, dementsprechend nahmen auch die Volumen der Aktienfonds zu. Ebenso haben einige Zulauf über dem Durchschnitt verzeichnet, unter anderem Mischfonds und Mikrofinanzfonds.

Mikrofinanzfonds verbinden Ethik mit Rendite

Mikrofinanzfonds wollen Personen in Entwicklungsländern mit Finanzdienstleistungen versorgen. Denn klassische Banken und Versicherungen bieten in diesen Regionen oft noch keine Finanzprodukte an. Vor allem Unternehmen wie Händler, Handwerker und Landwirte benötigen hier Unterstützung, beispielsweise durch Mikrokredite. Bereits im Jahr 2006 erhielt Muhammad Yunus für die Unterstützung von Kleinstunternehmen in Entwicklungsländern den Friedensnobelpreis. Inzwischen gibt es einige besonders vorbildhafte Projekte, wie etwa den „Invest in Visions Mikrofinanzfonds“. Dieser wurde in 2011 als erster Mikrofinanzfonds in Deutschland aufgelegt. Er bietet privaten Anlegern die Möglichkeit, eine stetige, moderate Rendite zu erwirtschaften und sich gleichzeitig sozial zu engagieren.

Mikrofinanzfonds investieren das angelegte Kapital als Darlehen in Entwicklungsländern. In Frage kommen hierfür ausgewählte kleine und mittlere Mikrofinanzinstitute, die vor allem in ländlichen Gebieten aktiv sind. Sie verleihen das aufgenommene Geld wiederum an kleine und mittlere Unternehmen. So werden Obsthändler, Bauern oder lokale Handwerksunternehmen unterstützt. Diese können damit Saatgut, Werkzeuge, Materialien oder andere Rohstoffe kaufen oder finanzielle Engpässe überbrücken. Nach durchschnittlich 9–12 Monaten werden die Mikrokredite getilgt.

Auswirkungen der Garantiezinssenkung

Auswirkungen der Garantiezinssenkung

Im August haben wir bereits über die bevorstehende Absenkung des Höchstrechnungszinses berichtet. Der Bundestag hat beschlossen, diesen Zins zum 1. Januar 2017 von 1,25 % auf 0,9 % zu verringern. Allgemein gesehen bedeutet das, dass Ihre Rendite z. B. in den Bereichen Renten- oder Berufsunfähigkeitsversicherung rund ein Viertel geringer ausfallen kann. Ja, diese Aussage ist etwas pauschal gefasst, deshalb wollen wir in diesem Artikel genauer klären, welche voraussichtlichen Folgen die Absenkung auf einzelne Vorsorgeprodukte hat. Denn die Auswirkungen sind weitreichend, insbesondere wenn man Vertragslaufzeiten von 40 Jahren oder mehr betrachtet.

 

Garantiezins, Rechnungszins, was denn nun?

Der wirklich korrekte Begriff lautet „Höchstrechnungszins“. Häufig wird aber von Rechnungszins oder Garantiezins gesprochen. Es bezeichnet alles denselben Zins, der eine wichtige Rechengröße bei der Kalkulation von Lebens- und Rentenversicherungen ist. Er gibt an, mit welchem garantierten Zins die Versicherer maximal kalkulieren dürfen. Er stellt also lediglich eine Obergrenze dar, den Unternehmen steht es frei, ihre Produkte auch mit einem geringeren Zins zu kalkulieren. Die häufig verwendete Bezeichnung Garantiezins trifft die Sache daher nicht ganz.

 

Klassische Rentenversicherung

Die Angebote weisen bei einer klassischen Rentenversicherung regelmäßig zwei Werte aus: Zum einen die garantierte Rente / das garantierte Kapital und zum anderen die mögliche Rente / das mögliche Kapital. Die garantierten Werte sind unter anderem abhängig vom verwendeten Rechnungszins und werden daher bei Verträgen, die ab dem 1. Januar 2017 abgeschlossen werden, zwangsläufig niedriger ausfallen, als bei Verträgen, die in 2016 abgeschlossen werden. Die möglichen Werte beinhalten unter anderem die von der Versicherung aktuell erzielten Überschüsse. Zu den Überschüssen zählt auch der Zinsgewinn. Dies ist der tatsächlich erwirtschaftete Zins oberhalb des verwendeten Rechnungszinses. Durch eine Reduktion des Rechnungszinses ist nun davon auszugehen, dass die Überschüsse, vorausgesetzt die Zinserträge des Anbieters bleiben unverändert, leicht steigen werden. Nach unserer Einschätzung verringert sich für Verträge, die ab dem 1. Januar 2017 abgeschlossen werden, die Ablaufleistung, bestehend aus dem Garantieteil und den Überschüssen, lediglich leicht.

Entscheidend ist jedoch, dass sich der Garantieanteil verringert. Sollten Sie Wert auf eine höhere Garantieleistung legen, so ist ein Vertragsbeginn in diesem Jahr sehr empfehlenswert.

 

Risikolebensversicherung

Die Berechnung von Risikolebensversicherungen ist komplex, vereinfacht kann man aber sagen: Für den möglichen Todesfall muss das Versicherungsunternehmen eine Reserve in Höhe der voraussichtlich zu erbringenden Todesfallleistung bilden. Diese Reserve wird jährlich verzinst. Wird nun mit einem niedrigeren Höchstrechnungszins kalkuliert, bedeutet dies, dass eine höhere Reserve gebildet werden muss. Dies führt wiederum zu höheren Beiträgen. Wie bei einem Sparvorgang wirkt sich der Zinseszinseffekt dabei stärker auf längere als auf kürzere Laufzeiten aus. Dementsprechend werden sich ab dem 1. Januar 2017 auch die Beiträge zur Risikolebensversicherung verteuern.

Neben dem Eintrittsalter gibt es bei der Risikolebensversicherung aber immer mehr weitere Faktoren die die Prämienhöhe beeinflussen. Hierzu gehören zum Beispiel: Unterscheidung zwischen Raucher- und Nichtrauchertarifen, Berufsrisiken, Risiken aus der Ausübung eines Hobbies wie zum Beispiel Motorradfahren.

Für Interessierte, die zum Beispiel zwecks Finanzierung einer Immobilie eine Risikolebensversicherung benötigen, gibt es derzeit Tarife mit einer verkürzten Gesundheitsprüfung. Ebenso können z. B. junge Eltern von einer verkürzten Gesundheitsprüfung profitieren. Bei Bedarf sollten Sie etwas Zeit in die Wahl des richtigen Produkts investieren bzw. einen Experten zu Rate ziehen.

 

Berufsunfähigkeitsversicherung

Den Garantiezins verbinden die meisten Verbraucher zunächst nur mit Lebens- und Rentenversicherungen. Klar, denn dort wird Kapital angespart, verzinst und als Einmalleistung oder als lebenslange Rentenleistungen ausgezahlt. Dass der gesetzliche Höchstrechnungszins jedoch auch Einfluss auf die Beiträge für die Berufsunfähigkeitsversicherung hat, ist hingegen nur wenigen Verbrauchern bekannt.

Wie hängt das zusammen? Die Versicherungsgesellschaft muss für den möglichen Fall einer Berufsunfähigkeit eine Reserve in Höhe der voraussichtlich zu erbringenden Rentenleistungen bilden. Hier gibt es große Ähnlichkeiten mit der Rückstellung für den Todesfall bei der Risikolebensversicherung. Denn diese wird ebenfalls jährlich verzinst und muss aufgrund der anstehenden Zinsabsenkung in größerem Umfang als bisher gebildet werden, was wiederum zu einer Verteuerung der Beiträge führt.

Außerdem erhöht sich der Beitrag durch ein höheres Eintrittsalter, wenn der Abschluss erst im nächsten Jahr erfolgt. Denn je älter die versicherte Person bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist, desto höher sind, bei gleichem Gesundheitszustand, die Beiträge. Für einen 30-Jährigen ist mit einer Gesamtsteigerung (Zinssenkung + höheres Eintrittsalter) der Beiträge für eine Berufsunfähigkeitsabsicherung von ca. 5,7 % zu rechnen.

Die DEFINO Deutsche Finanz Norm sieht zur Erhaltung des Lebensstandards eine Absicherung in Höhe von mind. 80 % des bisherigen Netto-Einkommens vor. Sollten Sie noch nicht in dieser Höhe vorgesorgt haben, empfehlen wir Ihnen noch in diesem Jahr den Abschluss bzw. die Aufstockung einer entsprechenden Berufsunfähigkeitsversicherung.

Absenkung Garantiezins

Absenkung Garantiezins

Der Höchstrechnungszins für Lebensversicherungen sinkt zum 1. Januar 2017 erneut. Es handelt sich um den Zinssatz, den Versicherungsunternehmen ihren Kunden maximal auf den Sparanteil im Beitrag zusagen dürfen.

Aufgrund des sinkenden Zinsniveaus an den Kapitalmärkten wurde der Höchstrechnungszins für Lebensversicherungen in den letzten Jahren sukzessive gesenkt. Zum Jahreswechsel wird der Höchstrechnungszins nun von 1,25 Prozent auf historisch niedrige 0,9 Prozent reduziert.

Durch die Absenkung reduzieren sich vor allem die garantierten Leistungen in der Altersvorsorge. Der Effekt tritt insbesondere bei Verträgen mit langen Laufzeiten auf. Auch der sogenannte garantierte Rentenfaktor für fondsgebundene Policen sinkt. Im Bereich der Risikoabsicherung, wie z. B. der Berufsunfähigkeitsversicherung, hat eine Zinssenkung zur Folge, dass die Beiträge steigen.

Gerade jüngere Berufstätige, die beispielsweise die Altersvorsorge für sich regeln müssen, profitieren von einer Umsetzung noch in diesem Jahr. Wir zeigen Ihnen gerne, welche Tarife den Kriterien der Verbraucherschützer entsprechen und Ihnen in diesem Jahr noch eine Ersparnis einbringen.
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Neues Jahr, neue Zahlen

Neues Jahr, neue Zahlen

Pünktlich zum Jahreswechsel sind wieder einige Gesetzesänderungen und Neuregelungen in Kraft getreten, einige weitere folgen in den kommenden Monaten. Hier finden Sie einen Überblick über die wichtigsten Neuerungen:

Anstieg der Beitragsbemessungsgrenze

Die Beitragsbemessungsgrenze ist in der gesetzlichen Sozialversicherung eine Einkommensgrenze, die den Höchstbeitrag festlegt. Einkommen über dieser Grenze bleiben beitragsfrei, für das Einkommen unterhalb der Schwelle gilt hingegen der jeweilige prozentuale Beitragssatz.
Der Gesetzgeber legt diese Grenze jedes Jahr neu fest. 2016 ist sie auf 74.400 Euro im Westen und auf 64.800 Euro im Osten angestiegen. Direkte Auswirkungen hat die Anhebung auf die betriebliche Altersversorgung. Der geförderte Höchstbetrag erhöht sich auf 248 Euro pro Monat (2.976 Euro p.a.).

Basis-Rente: Sonderausgabenabzug steigt um zwei Prozentpunkte

Aufwendungen für eine Basisrente können gemeinsam mit den Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung als Sonderausgaben vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden. Der maximale Förderrahmen der Basisrente wird jährlich angehoben. Seit dem 1. Januar 2016 liegt dieser bei 22.766 Euro. Hinzuzufügen sei jedoch, dass diese Maximalbeträge erst ab 2025 vollständig in Kraft treten. Bis dahin gilt eine Übergangsregelung, wobei der Sonderausgabenabzug jährlich um zwei Prozentpunkte steigt. Ab diesem Jahr können aber schon 82 % der Beiträge steuerlich geltend gemacht werden. Das sind somit maximal 18.668 Euro.

Beitragsbemessungsgrenze und PKV-Versicherungspflichtgrenze steigen

Der maximale Bruttolohnbeitrag, welcher bei der Erhebung der Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung berücksichtigt wird, steigt mit der alljährlichen Anpassung von 49.500 Euro auf 50.850 Euro. Wird von der gesetzlichen zur privaten Krankenversicherung gewechselt, so gilt seit Jahresbeginn für Angestellte eine Versicherungspflichtgrenze von 56.250 Euro Jahreseinkommen. Oberhalb dieser Grenze besteht Wahlfreiheit zwischen beiden Systemen.

Anstieg des Beitragssatzes GKV

Laut dem Schätzerkreis des Bundesversicherungsamtes wird der durchschnittliche Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung wahrscheinlich um 0,2 Prozentpunkte auf 15,7 % ansteigen. Zuletzt wurde der Beitragssatz Anfang 2015 auf 14,6 % gesenkt und ein schwankender Zusatzbeitrag von 0,9 % festgelegt. Dieser kann je nach Kasse auf 1,1 % steigen. Der Beitrag kann, sofern es deren Finanzlage erfordert, von jeder Kasse individuell erhoben werden.

Neuerungen des Pflegestärkungsgesetzes

Zwar tritt das zweite Pflegestärkungsgesetz erst in 2017 in Kraft, dennoch gibt es schon einige Neuerungen, die unbedingt beachtet werden sollten:

  • Übergangspflege
    Patienten, die nicht dauerhaft pflegebedürftig sind, haben nach einer Krankenhausbehandlung Anspruch auf Übergangspflege.
  • Rehabilitation
    Pflegebedürftige sollen einen besseren Zugang zu Rehabilitations-Maßnahmen bekommen. Dazu müssen medizinische Dienste mit Hilfe von Begutachtungsbesuchen auch den Rehabilitationsbedarf klären.
  • Beratung
    Pflegende Angehörige haben ab 2016 einen Anspruch auf Pflegeberatung. Voraussetzung ist, dass die zu pflegende Person zustimmt. Auf Wunsch kann diese Beratung am Wohnort der pflegebedürftigen Person stattfinden.
  • Versorgung
    Durch das Hospiz- und Palliativgesetz soll die Versorgung von sterbenden Pflegeheimbewohnern verbessert werden. Die Pflegeheime werden zur Zusammenarbeit mit ambulanten Hospiz-Diensten verpflichtet sein.

Änderungen beim Freistellungsauftrag

Durch die Änderung des § 45d EStG sind Freistellungsaufträge ohne gültige Steueridentifikationsnummer seit Jahresbeginn nicht mehr wirksam. Wichtig hierbei ist die Prüfung älterer Freistellungsaufträge. Liegt dem zuständigen Institut die Steueridentifikationsnummer jetzt nicht vor, darf es den eingerichteten Freistellungsauftrag nicht mehr berücksichtigen und muss bei Kapitalerträgen die Kapitalertragsteuer und den Solidaritätszuschlag einbehalten. Sollte dies passieren, können die Betroffenen ihre zu viel gezahlten Steuern nur über die Lohnsteuererklärung zurückfordern.

Nachrüstpflicht für Rauchmelder in Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt

Seit 1. Januar 2016 müssen in allen bestehenden Gebäuden Rauchmelder installiert sein. In Neubauten gehören Rauchwarner in den meisten Bundesländern schon seit einigen Jahren zur Grundausstattung. Für die korrekte Installation sind die Eigentümer verantwortlich. Ordnungswidrig handelt, wer sich dauerhaft gegen die Nachrüstpflicht wehrt und dieser nicht nachkommt.

Kontonummer und Bankleitzahl entfallen

Aufgrund des einheitlich geltenden Zahlungssystems für Europa (SEPA), können Verbraucher nur noch bis Anfang Februar ihre Bankleitzahl und Kontonummer für Überweisungen verwenden. Ab dem 01. Februar 2016 gilt ausschließlich die International Bank Account Number (IBAN). Zeitgleich entfällt die Angabe des Business Identifier Code (BIC) auch für Zahlungen ins Ausland.

Jeder EU-Bürger bekommt ein Girokonto

Oftmals bekommen Menschen ohne festen Wohnsitz, nur schwer Zugang zu einem eigenen Konto. Dies schließt sie wiederum von ganz alltäglichen Vorgängen aus. Ab 2016 ist jeder EU-Bürger dazu berechtigt, sich ein eigenes Konto einzurichten. Bisher konnten 25 bis 30 Mio. Bürger in Europa kein Konto eröffnen, obwohl sie es wollten.

Mehr Kindergeld

Pünktlich zum Jahreswechsel steigt das Kindergeld um 2 Euro pro Monat an. Zeitgleich steigt der Kinderfreibetrag für Einkommensteuerzahler um 96 Euro auf 4608 Euro (2304 Euro je Elternteil) an. Auch der Kinderzuschlag, den erwerbstätige Eltern mit geringen finanziellen Möglichkeiten erhalten können, steigt ab dem 1. Juli 2016 um 20 Euro auf maximal 160 Euro je Monat.

Mehr BAföG

Ab dem Wintersemester 2016/17 sollen die Bedarfssätze um 7 % ansteigen. Der maximale Fördersatz steigt somit auf 735 Euro an. Studenten sollen zudem 450 Eurp statt wie bisher 400 Euro im Monat verdienen dürfen. Der Wohnzuschuss steigt von 224 Euro auf 250 Euro – allerdings nur, wenn der Betroffene nicht mehr bei den Eltern lebt. Die Vermögensfreibeträge, die ein Student beim BAföG-Antrag nachweisen muss, belaufen sich derzeit auf 5.200 Euro und sollen künftig auf 7.500 Euro ansteigen. Geplant ist zudem ein Kinderzuschuss von 130 Euro für jedes Kind. Eine weitere gute Nachricht ist: die Lücke zwischen Bachelor- und Masterstudium wird geschlossen. Bisher erhielten Studenten während dieser Zeit keine BAföG-Unterstützung.

Mietpreisbremse tritt in Kraft

In Bundesländern wie Berlin, Hamburg oder Nordrhein-Westfalen gab es die Mietpreisbremse schon. Kurz vor dem Jahreswechsel wurde diese auch für weitere Bundesländer wie Bremen und Schleswig-Holstein eingeführt. Die Folge einer Mietpreisbremse ist die Deckelung der Preise für Wohnraum. Zudem soll das Wohnungsangebot weiter ausgebaut werden.

Mehr Geld für Rentner

Voraussichtlich können sich Rentner auf eine Rentenerhöhung ab Mitte 2016 freuen. Die Bundesregierung erwartet eine Anhebung um 4,3 % im Westen und um 5,0 % im Osten. Endgültige Zahlen folgen jedoch erst in Kürze.

Erneuter Anstieg des Preises für Standardbriefe

Die Deutsche Post hat den Preis für Standardbriefe zum 1. Januar 2016 um 8 Cent auf 70 Cent erhöht. Dieser Wert soll, anders als bisher, nun drei Jahre Bestand haben. Zudem werden auch die Sendungen ins Ausland teurer. Internationale Standardbriefe und Postkarten kosten jetzt 90 Cent. Weitere Preisanhebungen werden bei Großbriefen (3,70 Euro), Einschreiben (2,50 Euro) und wertvollen Sendungen (4,30 Euro) fällig. Wie bei den letzten Portoerhöhungen bietet die Post Ergänzungsmarken (8 Cent) an. Somit verfallen bereits gekaufte Marken nicht.

Günstigeres Telefonieren und Internet-Nutzung im EU-Ausland

Ab dem 30. April 2016 wird das Telefonieren und Surfen für EU-Bürger erneut billiger. Die Preisobergrenzen von maximal 19 Cent pro Anruf, 6 Cent pro SMS und 20 Cent pro Megabyte Daten (jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer) werden von Höchstaufschlägen abgelöst. Telefonate aus dem EU-Ausland nach Deutschland dürfen dann nur noch 5 Cent pro Minute zusätzlich zum Inlandspreis kosten, SMS 2 Cent und für jedes Megabyte Datenvolumen beim Surfen dürfen die Firmen höchstens 5 Cent mehr berechnen (jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer).